Fachkräfte
Professionelle Unterstützung
für Betroffene und Angehörige
Glücksspielsucht oder auch pathologisches Glücksspiel ist von den österreichischen Sozialversicherungsträgern als eigenständige psychische Erkrankung anerkannt und damit den Abhängigkeitserkrankungen von Alkohol, Medikamenten und illegalisierten Substanzen gleichgestellt. Sie zählt zu den sogenannten „nicht-stoffgebundenen Süchten“ beziehungsweise „Verhaltenssüchten“.
Die Erkrankung äußert sich durch ein wiederholt auftretendes, anhaltendes und episodenhaftes Glücksspielverhalten, das das Denken und Handeln der betroffenen Person zunehmend dominiert. In der Folge kommt es häufig zu einer erheblichen Beeinträchtigung der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Lebensbereiche (ICD-10).
Nach dem internationalen medizinischen Klassifikationssystem DSM-5 handelt es sich bei pathologischem Spielen um ein andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Glücksspielverhalten, das sich in mindestens vier der folgenden Merkmale ausdrückt:
- Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen.
- Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben.
- Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben (z. B. Spielen, bis das monatliche Einkommen verspielt bzw. der Überziehungs-rahmen ausgeschöpft ist).
- Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen (z.B. starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Planung der nächsten Spielunternehmung, Nachdenken über Wege, Geld zum Glücksspielen zu beschaffen).
- Häufiges Glücksspielen in belastendenden Gefühlszuständen (z.B. bei Schuldgefühlen, Angst, depressiver Stimmung).
- Versuch, durch wiederholtes Glücksspielen frühere Geldverluste auszugleichen.
- Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen.
- Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegschancen aufgrund des Glücksspielens.
- Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden.
Behandlung von Glücksspielsucht
Die Behandlung pathologischer Glücksspieler:innen folgt einem integrativen Ansatz, der individuelle, interaktionelle und systemische Perspektiven miteinander verbindet. Therapeutische Interventionen werden am individuellen Problemhintergrund angepasst, die Selbstständigkeit sowie die Eigenverantwortung der Betroffenen sollen gefördert und gestärkt werden.
In jeder Glücksspielsuchtbehandlung ist auch die Bedeutsamkeit des Geldes zu beachten. Spielschulden sind als Folge der Glücksspielsucht ein zentrales Problem von Spielsüchtigen. Die Einleitung des Geld- und Schuldenmanagements in einem frühen Stadium der Therapie soll verhindern, dass das problematische Verhalten durch finanzielle Drucksituationen neuerlich ausgelöst wird.
In der Steiermark wurde in Kooperation mit der staatlich anerkannten Schuldenberatung Steiermark das Behandlungsmodul Existenzsicherungsberatung für Glücksspieler:innen und Angehörige entwickelt.
Ziele der Existenzsicherungsberatung sind die Bewältigung der aktuellen Notsituation, die Schaffung von Voraussetzungen zur Sicherung der existentiellen Grundbedürfnisse und die Entwicklung von Perspektiven zur Schuldenregelung.
Die Möglichkeit Existenzsicherungsberatung in Anspruch zu nehmen besteht, sobald eine Glücksspielsuchtbehandlung in einer der angeführten Behandlungs-/Beratungseinrichtungen aufgenommen wurde.
Existenzsicherungsberatung
Der Zugang zur Existenzsicherungsberatung für Glücksspieler:innen erfolgt ausschließlich über die Therapeut:innen und Berater:innen der steirischen Suchtberatungseinrichtungen (b.a.s., Drogenberatung des Landes Steiermark, Psychosoziales Netzwerk, Suchtberatung Obersteiermark, Grüner Kreis).
KONTAKT
Staatlich anerkannte Schuldenberatung Steiermark
Neutorgasse 57
8010 Graz
Tel.: 0316 / 37 25 07
E-Mail: xsb@sbstmk.at
Rechtliche Grundlagen
Roulette, Black Jack, Poker, Lotto, Toto, Klassenlotterien, Videolotterien, Lose und Internetglücksspiele (österr. Anbieter) fallen unter das Glücksspielmonopol des Bundes. Diese Konzessionen werden vom Bundesministerium für Finanzen erteilt.
Das Automatenglücksspiel („Kleines Glücksspiel“) fällt unter die Kompetenz der Bundesländer.
In Österreich gibt es derzeit sechs Bundesländer, die das Automatenglücksspiel erlauben (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg). In der Steiermark gibt es 3 Lizenzen für Automatenspielsalons, die ab 2016 für 12 Jahre gültig sind. Volltext: Steiermärkisches Glücksspielautomaten- und Spielapparategesetz 2014 – StGSG
Sportwetten sind in Österreich nicht als Glücksspiel im Sinne des GSpG gesetzlich definiert. Sie gelten als Geschicklichkeitsspiel. Sportwetten unterliegen ebenfalls landesgesetzlichen Bestimmungen und sind für stationäre Annahmestellen und Wettterminals festgelegt. Volltext: Steiermärkisches Wettengesetz 2018 – StWttG
Onlineglücksspiele, die keine Bundeslizenz haben, sind in Österreich nicht legal. Für Online-Wetten gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. In der Steiermark fehlen derzeit spezifische gesetzliche Vorgaben.
Behandlungsdaten
Durch die Implementierung von einheitlichen Anamnesebögen für Glücksspieler:innen und Anamnesebögen für Angehörige sind steiermarkweit vergleichbare Daten aus unterschiedlichen ambulanten Suchtberatungsstellen verfügbar:
Materialien und Tagungsdokumentation
Hier finden Sie verschiedene Unterlagen und Arbeitsmaterialen zum Thema Glücksspielsucht:
- Stellungnahme zum Glücksspielgesetzentwurf Juli 2026
- Stellungnahme zum OGH Urteil Lootboxen und FIFA
- Maßnahmenkatalog: Sportwetten-Regulierung
- Offener Brief „Sportwetten = Glücksspiel“ (Stand 27.11.2024)
- Arbeitshilfe zur Unterstützung von Kindern aus glücksspielsuchtbelasteten Familien
- Video: Glücksspielsucht – Ein Betroffener erzählt
- CliniCum Sonderausgabe: Konsensus-Statement – State of the art 2018
Tagungsdokumentation
Downloads der Tagungen
Fachtag 2025: Suchttherapie im Wandel. Aktuelle Aspekte in der Suchttherapie
- Vortrag: Die Leistungssensible Suchttherapie – Mit Stolz aus der Sucht!, Martin Fleckenstein
- Vortrag: Zentrum für Suchtmedizin: Wege aus der Glücksspielsucht, Prim. Dr. Martin Ecker
- Vortrag: Neues aus dem BMASGPK, Mag.a Valerie Lugert, BA
- Vortrag: Online-Streetwork – Aufsuchende Suchthilfe im Internet, Konrad Landgraf
- Vortrag: „Gemeinsam spielfrei“ statt einsam spielen – 5 Jahre Online-Selbsthilfegruppe, Gerald Pfeiffer
Fachtag 2024: Glücksspielwerbung, Kryptomärkte und Sportwetten
Aktuelle Herausforderungen in der Glücksspielsucht
- Vortrag: Die psychologische Wirkung der Glücksspielwerbung, Prof. Dr. Georg Felser
- Vortrag: Sportwetten – Medien und Manipulation, Florian Skrabal
- Vortrag: Über das Phänomen der Kryptowährungen und seine Zusammenhänge mit dem Glücksspiel, Dr. Fred Steinmetz
Fachtag 2023: Glücksspiel ist kein Kinderspiel! Kinder und Jugendliche als Betroffene und Angehörige von Glücksspielsucht
- Vortrag: Game over? Die Konvergenz von digitalen Spielen und Glücksspiel, Markus Meschik PhD
- Vortrag: Kinder glücksspielsüchtiger Eltern – übersehene Risiken und notwendige Hilfen, Prof Dr. Michael Klein
- Vortrag: Wo der Spaß aufhört… Geschichten aus der psychotherapeutischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen, Lukas Wagner, MSc
Fachtag 2022: Wetten ist kein Spiel! Aspekte der Sportwettsucht
- Vortrag: Das Geschäft mit der Sucht: Sportwetten und Sportvereine in Österreich, Dietmar Jazbinsek
- Vortrag: Sportwettenabhängigkeit – Erfahrungen aus einem Spielerleben, Stefan Resch
- Vortrag: Gefahrenpotenziale und Risikofaktoren bei Sportwetten, Dr. Tobias Hayer
- Vortrag: Besonderheiten in der Behandlung von Sportwetter*innen, Mag.a Dr.in Izabela Horodecki
Fachtag 2021
- Vortrag: Glücksspielaufsicht – Behördenorganisation in Österreich, Mag. Gustav Trefil
- Vortrag: Genuggespielt.at – Online Selbsthilfe Programm zur Reduktion von problematischen Glücksspiel, Christian Baumgartner, MSc, PhD
- Vortrag: Hilfe ONLINE – Die Angebote der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, Konrad Landgraf
- Vortrag: Gemeinsam spielfrei: Neue Angebote aus der Steiermark und Präsentation des Videos „Glücksspielsucht – Ein Betroffener erzählt“, Gerald Pfeiffer
- Video „Glücksspielsucht – Ein Betroffener erzählt“
Fachtag 2019: 10 Jahre Fachstelle Glücksspielsucht Steiermark
- Vortrag: Anthropologie des Glücksspielens als Einheit aus Natur-, Gesellschafts- und Individualgeschichte, Dipl.-Psych. Dr. phil. Jörg Petry
- Vortrag: Auf die Plätze fertig los! Das Maßnahmenpaket zur Sicherstellung eines systematischen Spielerschutzes in Österreich., Mag.a Dr.in Doris Malischnig
- Vortrag: Pech im Spiel – und Glück in der Liebe – oder doch umgekehrt! Über die Situation von Familienangehörigen pathologischer GlücksspielerInnen, Dr. Helmut Zingerle
- Vortrag: „Sportexperte = Wettexperte?“ 90 Sekunden Erklärvideo zum Thema Gefahren von Sportwetten, Martina Kuhnt
- Vortrag: Geldspiel-Sucht und niederschwellige, spielerisch-ernsthafte Interventionen, Franz Eidenbenz lic.phil.
- Vortrag: Lootboxen, Skin-Gambling & Co – Ein Hintertürl für die Glücksspielindustrie?, Mag.a Dr.in Alexandra Puhm, MSc
