Betroffene

Glücksspielsucht verstehen. Unterstützung und orientierung finden.

Was ist Glücksspielsucht?

Glücksspielsucht ist eine anerkannte Suchterkrankung. Sie zeichnet sich durch den Verlust der Kontrolle über das Spielverhalten aus. Betroffene verspüren ein starkes Verlangen zu spielen, verbringen zunehmend mehr Zeit und Geld damit und setzen das Spielen trotz negativer Folgen fort. Die Auswirkungen betreffen oft nicht nur die Spieler:innen selbst, sondern auch ihre Familie, Freundeskreise und ihr berufliches Umfeld.

Folgen von problematischem Glücksspiel
Glücksspiel kann schnell außer Kontrolle geraten. Schon bevor eine Sucht entsteht, zeigen sich oft deutliche Belastungen im Alltag:

  • Finanzielle Probleme: Das Einkommen reicht nicht mehr, es entstehen Schulden, häufig wird Geld geliehen, nur um weiterspielen zu können.
  • Familie & Freunde: Konflikte, Vertrauensverlust und Rückzug aus Beziehungen sind häufige Folgen.
  • Arbeit & Alltag: Verpflichtungen im Beruf, Schule oder Ausbildung werden vernachlässigt, Termine nicht eingehalten.
  • Gedanken: Ständige Beschäftigung mit dem Spielen – Planung, Erinnerung oder die Erwartung des nächsten Spiels.
  • Körperliche Belastung: Schlafstörungen, Nervosität, innere Unruhe.
  • Psychische Probleme: Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Ängste sowie Schuld- und Schamgefühle.
  • Verhalten: Unzuverlässigkeit, Lügen und Gleichgültigkeit gegenüber anderen wichtigen Lebensbereichen.

Hilfe in der Steiermark und in Österreich
Die Fachstelle Glücksspielsucht Steiermark ist keine Suchtberatungsstelle und bietet daher keine Beratung für Spielsüchtige und Angehörige an. Wir kooperieren mit Beratungsstellen informieren über bestehenden Beratungs- und Behandlungsangebote:

 

Merkmale einer Glücksspielsucht

Von einer Glücksspielsucht spricht man, wenn das Spielverhalten nicht mehr kontrollierbar ist. Nach dem internationalen Klassifikationssystem DSM-5 liegt eine behandlungsbedürftige Störung vor, wenn innerhalb von 12 Monaten mindestens 4 der folgenden Merkmale erfüllt sind:

    1. Immer höhere Einsätze sind notwendig, um denselben Reiz zu erleben.
    2. Unruhe oder Reizbarkeit beim Versuch, das Spielen einzuschränken oder zu beenden.
    3. Wiederholte, erfolglose Versuche, das Spielen zu kontrollieren oder aufzuhören.
    4. Ständige gedankliche Beschäftigung mit Glücksspiel.
    5. Spielen, um negative Gefühle (z. B. Angst, Schuld, Depression) zu bewältigen.
    6. „Verlustjagd“: Verluste sollen durch weiteres Spielen ausgeglichen werden.
    7. Belügen von Angehörigen oder Freunden über das Ausmaß des Spielens.
    8. Gefährdung oder Verlust wichtiger Beziehungen, des Arbeitsplatzes oder von Ausbildungschancen.
    9. Finanzielle Abhängigkeit von anderen, um Spielschulden zu decken.

    Schon ein oder zwei dieser Punkte können auf problematisches Spielen hinweisen. Ab vier Merkmalen spricht man von einer behandlungsbedürftigen Glücksspielsucht.

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    Vermuten Sie Probleme mit Glücksspiel oder Wetten?

    Sie können anhand der folgenden zwei Fragen ein schädliches Verhalten abschätzen:

    • Haben Sie jemals beim Spielen/Wetten das Bedürfnis verspürt, immer mehr Geld einzusetzen?
    • Haben Sie jemals gegenüber Menschen, die Ihnen wichtig sind, über das Ausmaß Ihres Spielens gelogen?

    Wenn eine dieser Fragen mit JA beantwortet wird, ist dies ein Hinweis für ein problematisches Spielverhalten. Zur weiteren Abklärung sollte ein Gespräch in einer Beratungseinrichtung vereinbart werden.

    Verlauf einer Glücksspielsucht

    Die Entstehung einer Glücksspielsucht ist komplex. Sie ergibt sich aus einem Zusammenspiel von Persönlichkeit, sozialem Umfeld und den Eigenheiten des Glücksspiels.

    Am Anfang stehen meist Spaß, Spannung und Nervenkitzel. Die Übergänge vom harmlosen Spielen bis hin zur Sucht sind fließend:

      • Gelegentliches Spielen um Geld
      • Häufigeres, aber noch problemloses Spielen
      • Problematisches Spielen
      • Glücksspielsucht (pathologisches Spielen)

      Dieser Verlauf entwickelt sich oft schleichend und kann sich über viele Jahre erstrecken.

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      Wie sich Spielverhalten verändert

      Das Spielverhalten verändert sich meist schleichend – von harmloser Unterhaltung bis hin zu ernsthaften Problemen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Stufen sind fließend:

      • Unauffälliges Spielen
        • Gelegentliches Spiel, Spaß und Unterhaltung stehen im Vordergrund.
        • Es besteht kein Kontrollverlust, und das Spielen hat keine negativen Folgen.

      Mit der Zeit kann sich das Spielverhalten verändern – Einsätze und Häufigkeit nehmen zu.

      • Riskantes Spielen
        • Erste Warnsignale treten auf, das Spielen wird häufiger.
        • 1-2 Anzeichen sind erkennbar (z. B. höhere Einsätze, Gedanken kreisen zunehmend ums Spielen).

      Wenn das Spielen beginnt, andere Lebensbereiche zu beeinträchtigen, wird es problematisch.

      • Problematisches Spielen
        • Glücksspiel führt zunehmend zu Belastungen und Konflikten.
        • 2–3 Merkmale sind sichtbar (z. B. finanzielle Schwierigkeiten, Streit, erfolglose Versuche aufzuhören).

      Ohne Veränderung kann daraus eine Abhängigkeit entstehen.

      • Glücksspielsucht
        • Eine anerkannte Suchterkrankung (DSM-5).
        • Mindestens 4 Merkmale liegen vor: Kontrollverlust, starkes Verlangen, Beeinträchtigung von Alltag, Beziehungen und Finanzen.

      Glücksspielformen

      Glücksspiele sind Spiele, bei denen Gewinn oder Verlust überwiegend vom Zufall abhängen. Als Einsatz können Geld, Kryptowährungen, Wertgegenstände oder andere Leistungen verwendet werden. Gewinne müssen nicht immer in Geld bestehen – auch Sachpreise oder Naturalgewinne sind möglich. Besonders hohes Suchtpotenzial haben Automatenspiele, Online-Glücksspiele und Sportwetten.

      Klassische Glücksspiele

      • Automatenspiele/Slots
      • Sportwetten
      • Roulette
      • Kartenspiele (z. B. Poker, Black Jack, Baccara)
      • Lotterien (z. B. 6 aus 45, EuroMillions)
      • Lose (z. B. Rubbellose, Klassenlose)

      Weitere Glücksspielformen

      • Online-Casinos (digitale Version klassischer Spiele; Live-Casinos via Video-Livestream)
      • Krypto-Casinos (Ein- und Auszahlungen mit Kryptowährungen)
      • Crash Games
      • Spekulative Handelsformate (z. B. Margin-/Leverage-Trading = Handel auf Kredit mit Hebelwirkung)
      • eSports- und Fantasy-Sportwetten
      • Soziale Casinos / Social Games (virtuelle Währungen, teils mit Echtgeld verknüpft)
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      Rechtliche Grundlagen

      In Österreich gilt: Glücksspiele und Sportwetten sind erst ab 18 Jahren erlaubt.

      Roulette, Black Jack, Poker, Lotto, Toto, Klassenlotterien, Videolotterien, Lose und Internetglücksspiele (österr. Anbieter) fallen unter das Glücksspielmonopol des Bundes. Diese Konzessionen werden vom Bundesministerium für Finanzen erteilt.

      Das Automatenglücksspiel („Kleines Glücksspiel“) fällt unter die Kompetenz der Bundesländer. In Österreich gibt es derzeit sechs Bundesländer, die das Automatenglücksspiel erlauben (Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg). In der Steiermark gibt es 3 Lizenzen für Automatenspielsalons, die ab 2016 für 12 Jahre gültig sind.
      Volltext: Steiermärkisches Glücksspielautomaten- und Spielapparategesetz 2014 – StGSG

      Sportwetten sind in Österreich nicht als Glücksspiel im Sinne des GSpG gesetzlich definiert. Sie gelten als Geschicklichkeitsspiel. Sportwetten unterliegen ebenfalls landesgesetzlichen Bestimmungen und sind für stationäre Annahmestellen und Wettterminals festgelegt.
      Volltext: Steiermärkisches Wettengesetz 2018 – StWttG

      Onlineglücksspiele, die keine Bundeslizenz haben, sind in Österreich nicht legal. Für Online-Wetten gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. In der Steiermark fehlen derzeit spezifische gesetzliche Vorgaben.

      Irrtümer und Fakten

      Kann man mit Glücksspiel und Wetten schnell Geld verdienen?

      Glücksspiele sind eine kostenpflichtige Form der Unterhaltung. Anbieter von Glücksspielen verdienen damit Geld.

      Nach sieben Mal rot im Roulette steigt die Wahrscheinlichkeit, dass schwarz kommt. Daher sollte man weiterspielen. Stimmt das?

      Alle Ergebnisse von Glücksspielen sind vom Zufall abhängig, sodass aus vorangegangenen Verlusten oder Gewinnen nichts über den zukünftigen Spielausgang vorhersagbar ist. Verlusten „hinterher zu jagen“, also weiterzuspielen, ist ein Anzeichen der Glücksspielsucht.

      Bin ich spielsüchtig, wenn ich nur ab und zu spiele?

      Die Häufigkeit des Spielens kann ein Hinweis für das Vorliegen einer Abhängigkeit sein. Aber auch das gelegentliche Spielen kann zum Problem werden. Bedeutend ist, ob Glücksspielen ein Vergnügen ohne negative Folgen bleibt und damit das Spielverhalten unter Kontrolle ist oder ob finanzielle, psychische und soziale Beeinträchtigungen entstehen bzw. entstanden sind.

      Warum besteht auch bei Sportwetten die Gefahr eine Sucht zu entwickeln?

      Sportwetten sind auch Glücksspiele und der Zufallsfaktor spielt eine große Rolle.
      Sportwetten haben nach dem Automatenglücksspiel das zweithöchste Suchtpotential. Das Risiko wird durch das vermeintliche Fachwissen und die Begeisterung für Sport oder einen bestimmen Verein verdeckt.

      Sind Computerspiele oder Spiele am Handy für Kinder gefährlich?

      In vielen Spielen – auch für Kinder und Jugendliche – werden glücksspielähnliche Elemente wie Lootboxen oder Mikrotransaktionen verwendet. Solche Glücksspiel-Elemente können schnell viel Geld kosten und Spieler:innen verlieren den Überblick und die Kontrolle. Das kann auch im realen Leben negative Konsequenzen haben.

      Ist es gut, die Schulden möglichst schnell auszugleichen, wenn ich spielsüchtig bin?

      Die meisten Menschen wünschen sich schnelle Problemlösungen. Doch der „Freikauf“ führt zumeist zu einer Verlängerung der Glücksspielproblematik.

      Sind Kryptowährungen und trading wie Glücksspiel?

      Der Handel mit Krypowährungen und Daytrading sind riskante Spekulationsobjekte. Es zeigen sich große Ähnlichkeiten zu Gücksspielen. Wie beim Glücksspielen wird Dopamin ausgeschüttet und dadurch das Belohnungssystem im Gehirn angeregt. Vulnerable Personengruppen sind hier gefährdet ein problematisches Verhalten zu entwickeln.

      Stimmt es, dass Glücksspiele allein nicht abhängig machen und dass Menschen mit Glücksspielsucht bereits vorher eine psychische Erkrankung hatten?

      Jeder Mensch kann Probleme im Zusammenhang mit Glücksspielen entwickeln. Es gibt aber bestimmte Merkmale (Risikofaktoren), die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ein problematisches Glücksspielverhalten zu entwickeln. Eine psychische Erkrankung wie z.B. eine Depression stellt zwar einen Risikofaktor dar, führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Glücksspielsucht.

      Weitere Informationen: